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Österreichs Corona-App - Hilft sie wirklich?

Verantwortlicher Autor: Haas Österreich, 03.05.2020, 11:46 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Franz Haas Bericht 6441x gelesen
Corona-App Rotes Kreuz Österreich
Corona-App Rotes Kreuz Österreich  Bild: Rotes Kreuz

Österreich [ENA] Heiße Debatten gibt es derzeit um die vom Roten Kreuz in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Regierung propagierte Corona-App. Vom Gesundheitsministerium und Vertretern des Roten Kreuzes wurde diese App als technisches Hilfsmittel zur Bekämpfung der Ausbreitung von Covid-19 präsentiert.

Die Corona-App des Roten Kreuzes soll Menschen vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützen, das vor allem in den zwei extrem ansteckenden Tagen, bevor jemand Symptome zeigt. Eine wirkungsvolle Maßnahme sei es, all jene Menschen, mit denen eine Person mit Symptomen in den zwei Tagen davor Kontakt hatte, sofort darüber benachrichtigen zu können, wenn die Krankheit ausbricht - damit alle, die engen Kontakt zu der Person mit Symptomen hatten, sich selbst isolieren und niemanden mehr anstecken. Die Infektionskette werde damit unterbrochen. Genau das leiste die App - und zwar unter strikter Einhaltung des Datenschutzes. So ist auf der Homepage des Roten Kreuzes zu lesen.

Jeder der die App hat, kann bei einer Begegnung, mit Freunden, Familien oder im Beruf angeben sich mit dieser Person getroffen zu haben. Die Begegnungen werden anonym gespeichert. Stellt ein Arzt eine Corona-Infektion fest, kann der User eine Meldung über seinen Verdacht abgeben, um seine Kontakte anonymisiert zu benachrichtigen. Die Speicherung der Begegnung selbst erfolgt in der jüngsten Version über einen sogenannten automatischen Handshake via Bluetooth. Das Handy schickt für Menschen unhörbare Signale aus, die vom Handy der Kontaktperson empfangen werden. Dauert die Begegnung länger als 15 Minuten, wird die Begegnung im Tagebuch anonym eingetragen. Aber Vorsicht! Nicht immer funktioniert die Aufzeichnung der Kontaktaufnahme!

Wie der Autor selbst feststellen musste, gibt es leider Einschränkungen. Bei nicht allen Handys funktioniert der automatische Handshake! Selbst wenn man ihn manuell auslöst, gibt es massive Fehler! So funktioniert die App etwa nicht, wenn eine Kontaktperson das Handy auf lautlos geschaltet hat, dann werden die Töne nicht abgesetzt und die Begegnung nicht dokumentiert. Weiters müssen beide Kontaktpersonen auf ihrem Handy die App geöffnet haben, sonst wird die Begegnung nicht registriert. Weiters muss eine aktive Internetverbindung bestehen, Bluetooth eingeschaltet sein und die App muss von der Akku-Optimierung des Herstellers ausgenommen sein.

Beim automatischen Handshake wird für die Geräteerkennung in ihrem Umfeld die Bluetooth Technologie verwendet. Bei Android Geräten erlauben sie dies über die Standort-Freigabe. Ihre Standort-Daten werden aber nicht abgefragt oder verarbeitet. Wenn sie dem nicht zustimmen, können sie Begegnungen mittels manuellem Handshake aufzeichnen. In jedem Fall müssen sie und die Kontaktperson aktiv werden, sonst funktioniert gar nichts. Läuft die App im Vordergrund (sichtbar am Screen), funktioniert das Senden und Empfangen, sofern die Sensoren vorhanden und aktiviert sind. Läuft sie im Hintergrund, kann nur ein Android Gerät senden und empfangen, ein iOS Gerät (iPhone oder iPad) sendet nur.

Daher die Empfehlung: Tauschen Sie nach einer längeren Begegnung wie einem Besuch oder Meeting einen manuellen Handshake mit einer Person aus. War der automatische Handshake erfolgreich, wird der Kontakt als bereits gespeichert angezeigt. Im Falle eines Verdachtes auf eine Corona-Infektion werden dann, egal ob der Handschlag manuell oder digital erfolgt ist, die Personen, mit denen Sie in den letzten 54 Stunden in Kontakt waren, benachrichtigt, um die Infektionskette möglichst schnell zu unterbrechen. Was lässt sich aus all dem ableiten: Die Corona-App des österreichischen Roten Kreuzes ist ein Beitrag, die Ansteckungsrate durch Covid-19 zu reduzieren und Menschen vor der Pandemie zu schützen. Sie ist aber keine Wunderwaffe.

Die App ist abhängig von den Geräteeigenschaften und Einstellungen und wiegt damit Personen in Sicherheit, die sie nicht bieten kann. Sie kann abhängig von Willen der jeweiligen Kontaktpersonen frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass man vielleicht mit Covid-19 angesteckt wurde, ein Schutz Dritter ist aber jedenfalls auch hier vom Verhalten von Einzelpersonen abhängig. Es wäre daher sinnvoller, bei Treffen den vielfach empfohlenen Mindestabstand und die Handhygiene einzuhalten, statt sich auf die fehleranfällige Technik zu verlassen.

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